So nun bin ich schon wieder über eine Woche in Österreich, und habe noch immer keinen 2ten Bericht geschrieben. Shame on me.
Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass sehr beschäftigt war in Bolivien, und zurück in Wien, erwarteten mich soziale Verpflichtungen, die Arbeit und Sölden ;-)
Nun bin ich seit ein paar Tagen stimmlos und daher schaffe ich es endlich ein wenig Ordnung in mein Leben zu bringen.
Jetzt aber zurück nach Bolivien, besser gesagt nach Potosí, welche die quasi letzte und längste Station meines kurzen Bolivienaufenthaltes wurde.
In Potosí war alles so wie immer und doch anders. Im Zentrum konnte ich eine neue Ampel erblicken, die Gehsteige wurden, schon vor meiner Abreise, aber jetzt endlich fertig saniert. Man hat das Gefühl die Stadt ist lebendiger und es tut sich etwas. Die Lebensmittelpreise, Gas etc. sind gesunken und man hat den subjektiven Eindruck, dass es ein wenig besser geworden ist. Jedoch beim genaueren Hinsehen ist es so wie immer. Der Winter war kalt und viele mussten frieren. Der Minenbergbau geht nur schleppend voran, auch wenn die Preise langsam wieder steigen. Einige unserer Frauen und auch unserer Jugendlichen, sind nach Argentinien gegangen auf der Suche nach ihrem Glück oder besser gesagt, nach Arbeit und ein wenig Geld. Fast so wie früher die Europäer nach Amerika. Einige der Frauen sind schon wieder schwanger, obwohl Musol stark bemüht ist, Aufklärung zu schaffen, Verhütungsmethoden den Frauen näher zu bringen,… Die Bedürftigkeit dieser Menschen wird sich nicht so schnell ändern, vor allem nicht, wenn das eigene Land die Augen davor verschließt.
Ein neuer Gesichtspunkt ist also, dass die Öffentlichkeitsarbeit noch mehr in den Vordergrund rücken muß. Isaac (ein Freund von mir und derzeitiger Psychologe bei Musol), hat dahingehend einige gute Ideen, auch im Bereich Forschung und hoffen wir darauf, dass die Bolivianische Bevölkerung langsam aber sicher beginnt, sich gegenseitig zu unterstützen.
Nun die Woche in Potosí verging sehr schnell, mit Besuchen in den 2 Guarderias, in den Häusern der Frauen, mit Renovierungsarbeiten in der neuen Guarderia, Besprechungen bezüglich des Internets und des Netzwerkaufbaus, Besprechungen bezüglich der Finanzierung, der Zukunft Musols, Perspektivenentwicklung uvm. Aber da ich nur eine Woche Zeit hatte, wollte ich auch das Maximale herausholen.
Und ich denke mir, dass ist mir ganz gut gelungen. Trotz allem war es sehr schwierig für mich nicht noch mehr zu tun und viele Dinge erst gar nicht anzufangen. Ich und auch die Menschen dort sind noch immer so daran gewöhnt, dass ich einmal ein Teil des Ganzen war, das es mir nicht schwer fiel wieder anzuknüpfen. Auf der anderen Seite sehr schwer war, zu vielen Dingen und Wünschen Nein zu sagen. Ich hatte in der kurzen Zeit ein paar Einzelgespräche mit den Frauen, da es einigen sehr wichtig war und es war wunderschön zu sehen, dass sie verstanden haben, um was es mir dieses ganze letzte Jahr ging. Viele Samen die ich gesäht habe sind aufgegangen. Andere leider vertrocknet, aber damit war zu rechnen. Aber es war schön wiederzukommen und so wiederaufgenommen zu werden. Umso schwerer fiel es mir, allen nach der ersten Euphorie zu sagen, dass ich nur eine Woche bleiben werde. Vor allem bei den Kindern war es für mich sehr hart. Ich konnte nicht einmal alle wiedersehen, die ich gerne gesehen hätte. Einige der größeren Kinder sind nicht mehr in der Guarderia, da diese ja nur bis 12 Jahre geht und wie bis dato noch kein Programm für Jugendliche anbieten (wobei dies wenn alles glatt läuft und weiterhin viele Spenden kommen) wir eventuell 2010 starten können. Diese und viele Guardas die sich an verschiedenen Teilen des Treffen konnte ich nicht sehen.
Auf der anderen Seite möchte ich nicht unbescheiden sein, denn es waren doch sehr viele die ich wiedersehen durfte.
Auch mit meinen Freunden war die wenige Zeit wunderbar und ich hatte wie immer viel Spaß. Das für mich Erstaunliche ist nach wie vor, wie spontan und zufällig viele Dinge dort passieren und wie geplant und strukturiert hier bei uns alles abläuft. Und ob ihr es glaubt oder auch nicht, mittlerweile komme ich mit diesem Spontanen sehr gut zurecht und vermisse es zeitweise sehr stark hier in Wien.
Am Wochenende ging ich zur Feria um mir frische Papayas und Ananas und Bananen zu kaufen, ich besuchte Cristian und Cecilia die Eltern geworden sind, ich besuchte einige Familien, usw. Am Dienstag, die letzte Nacht vor meiner Abreise traf ich mich noch mit einigen meiner Freunde im Casona um dort ein Gläschen zu trinken. Als man uns dort hinauswarf, ging es bei uns im Haus (ich war wieder im selben Haus wie damals) mit Gitarre, Gesang und viel Gelächter weiter. Am nächsten Tag hieß es, mit wenig Schlaf das maximale aus meinem letzten Tag herauszuholen.
Finanzplan wurde übergeben, Netzwerk fertig gestellt. Internet funktionierte einwandfrei, Fotos von den meisten Kindern (wie ich es Ihnen versprochen hatte), weitere organisatorische Tätigkeiten mit Ibeth gemeinsam und so weiter und so fort.
Doch am Ende des Tages (wir mussten um 23:00 in unseren Bus steigen) war alles erledigt. Es waren viel zu viele Abschiede in zu kurzer Zeit und als Jacques und ich dann im Bus saßen, konnte ich es kaum glauben, dass meine Zeit hier in Potosí schon wieder vorüber war. Gemeinsam saßen wir im Bus, schweigend, jeder seinen Gedanken nachhängend. Ich konnte dieses Mal nicht einmal weinen. Vermutlich weil ich allen versprechen musste, dass ich ganz bald wiederkommen muss, und so für mich klar war, das es wohl nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich mich in Potosí wie zu Hause fühle. Um 4 in der Früh erwartete uns dann in Oruro eine Überraschung. Der rest der Gruppe kam (direkt von der Disco ;-)) um uns beim Umsteigen von dem einen Bus in den anderen, eine gute Reise zu wünschen. Das war natürlich was und wir freuten uns riesig und mit einem Lächeln auf den Lippen schafften wir dann auch noch die letzten 3 Stunden nach La Paz.
Mein letzter Tag in Bolivien/La Paz, verlief recht intensiv. Diskussion mit Hotelbesitzerin wegen gestohlenen Ipod und Geld. Shopping der letzten Geschenke, Treffen mit Gissela, die schon im März ihr Butzi bekommt! Yippie! Essen mit Jacques und dann 2 Konzerte von Mogli, welche echt Spitze waren und die es mir auch noch immer sehr erschweren, dieses Land wieder zu verlassen. Da Schlafen ja manchmal ein wenig überwertet wird, fuhr ich quasi direkt von der Bar zum Flughafen um dort meinen Reisemarathon anzutreten. Beim Heimflug (Jacques und ich flogen beim Heimflug gemeinsam bis Miami) kamen wir nochmal ganz gehörig ins Schwitzen, da unser Triebwerk einen Schaden hatte und nicht klar war, ob wir unsere Anschlüsse in Miami erreichen würden. Doch gracias a dios, hat alles funktioniert und ich war somit rechtzeitig in Wien um noch auf die Hochzeit von Ollie gehen zu können.
Abschließend kann ich nur sagen, dass es wieder wunderbar war, ich mir nicht gedacht habe, dass es so einfach sein würde, wieder dort zu sein, akzeptiert zu werden und sich am anderen Ende der Welt einfach zu Hause zu fühlen. Viel ist weitergegangen 2009 und noch viel mehr wird 2010 weitergehen. Schön dies zu sehen.
Bin schon gespannt wie es weitergehen wird. In diesem Sinne viel Spaß bei den Fotos und ich hoffe Einige von Euch bei meinem Vortrag im LAI am 18.11. um 19:00 wieder zu
In diesem Sinne,
dickes bussi
Dina

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