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BOLIVIEN 2009, Teil I

 

Also, nun bin ich schon wieder über eine Woche hier in Bolivien und ich habe das Gefühl die Zeit rennt wie im Flug, abgesehen davon, dass es sich so anfühlt als wäre ich schon wieder Ewigkeiten hier. Alles ist so vertraut und in Potosí ist dieses Gefühl besonders stark. Ich wohne wieder in „unserem“ Haus und es sind eigentlich dieselben Leute hier, außer dass ich nicht mehr mein altes Zimmer habe ;-) Irgendwie ist es, als ob ich nie weggewesen wäre, auch wenn ich das nie gedacht hätte. Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen. Viele der Kinder sind gewachsen und ein paar hätte ich fast nicht wieder erkannt, andere gar nicht, was mich mit großer Sorge erfüllt, wenn ein Kind in 10 Monaten offensichtlich so gut wie gar nicht wächst. Leider sind auch einige der Frauen nicht mehr in Potosí, denn sie sind nach Argentinien gegangen mit der Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen. Doch der Großteil ist noch immer bei Musol und auch einige neue Gesichter konnte ich ausmachen.

Aber fangen wir von vorne an. Die ersten 2 Tage war ich in La Paz. Die Anreise war überraschend entspannt, ich hatte viel Platz am Flieger und auch sonst verlief alles problemlos. AM Flughafen in La Paz kam ich kurz in schwitzen, da ich Angst hatte dass sie meinen Koffer mit den Solarpanelen und der Pumpe aufmachen könnten und dann hätte ich Probleme bekommen können. Aber nachdem ich wie eine Ameise angepackt war (2 Riesentaschen, ein Rucksack und die Laptoptasche) dürfte ich den Eindruck gemacht haben, dass man mich besser in Ruhe lässt ;-)


Der erste Tag in La Paz verlief ruhig, ich machte mit Juan die Stadt unsicher, sah mir die Worldpress Fotoausstellung an und genoss das Gefühl mich am anderen Ende der Welt zu Hause zu fühlen. Am Abend kam dann der Rest der Gruppe an. Mit Brunnenbohrern Solarbaukits und vielem mehr im Gepäck. Wir waren/sind eine gemischte Gruppe bestehend aus Intersol (Hans und Gudrun), Josef unserem Brunnenbohrer, Walter und Sigi die Solarpanelbaumeister, Werner der sich der Solarpumpen angenommen hat, Jaques der 6 Dellcomputer + Bildschirme gespendet hat und diese jetzt auch installieren wird, Susi und Matthias von der Firma Omicron (Vorarlberger Firma, welche 2 Projekte hier in Bolivien unterstützt) und unsere Voluntarios Daniel der im Moment Chef vom Complejo Solar in Oruro ist, Phillip der dann den Bau von Solarpanelen mit bolivianischen Schülern übernehmen wird und Daniel unser eifriger Zivildiener und natürlich ich. Ihr seht eine ganz schön große Gruppe.

Am nächsten Tag fuhren wir dann nach Tiawanaco, wo ich schon letztes Jahr einmal war, falls ihr euch erinnern könnt. Es ist die größte Ausgrabungsstätte Boliviens und gibt noch viele Rätsel auf. Die Tiwunaco Kultur war eigentlich die größte Hochkultur in diesem Raum von ca 2000 v. CHr. bis ca. 1000 n. Chr. Trotz allem sind die Inkas wesentlich bekannter. Das traurige ist, dass bei dieser Ausgrabungsstätte viel von den Spaniern zerstört und abgetragen wurde und die Rekonstruktion teilweise erschwert ist.

Danach ging es weiter aufs Land zu einem kleinen Dorf in dem die Jesuiten einen Standort haben und sich sehr stark engagieren. Vater Fabio (gebürtiger Italiener) ist schon seit 20 Jahren in Bolivien tätig und setzt sich stark für die Einwohner ein. Wie immer ist das nicht so einfach. Es ist dort gerade ein Centro de Salud im entstehen, welches langsam sehr gut angenommen wird, auch wenn die Bevölkerung noch immer große Scheu davor hat zu einem Arzt zu gehen. Aber durch das Vertrauensverhältnis welches mit dem Vater besteht usw. können gute Erfolge verbucht werden. Danach besuchten wir ein Fortbildungszentrum, wo den Bewohnern die Vorteile der Solartechnik näher gebracht werden und versucht wird ihnen ein Umweltbewusstsein zu vermitteln. (Ich sah dort die erste Mülltrennung in ganz Bolivien!) Also prinzipiell eine gute Sache. Es bleibt zu wünschen, dass das langsam auf das ganze Land übergreift um diese so wunderschöne Land zu bewahren, denn manchmal hat man das Gefühl es wird irgendwann einmal in Plastiksackerln und anderem Müll ersticken.

Das Wochenende habe ich dann in Cochabamba verbracht. Ich habe meine Familie besucht, war auf einem Konzert von Mogli (ein hervorragender Musiker), hab noch viele andere Freunde getroffen, von einem Treffen zum anderen gefahren und dann hab ich auch noch Claudia getroffen. Claudia war mit mir in der Sprachschule in Cochabamba, ist Schweizerin und so wie ich engagiert sie sich gerne für „ihr“ Projekt. Sie ist schon das 3te Mal in Bolivien in einem Waisenhaus (gegründet von Schweizern) in Cocha. Das war ein schönes Wiedersehen, vor allem weil wir es in Europa nicht geschafft haben und so haben wir einfach nochmal kurz alte Zeiten wiederaufleben lassen, auch wenn dazu eigentlich zu wenig Zeit war.

Ich bin die meiste Zeit ziemlich müde, weil natürlich alles für mich sehr intensiv ist. Ich versuche in möglichst kurzer Zeit das Maximum herauszuholen. Es ist wie schon gedacht, sehr emotional. Ich fühle mich hier sehr verbunden und ein Stück weit zu Hause. Das ist nicht immer einfach. Vor allem wenn „alle“ (vor allem meine Frauen und Kinder) davon ausgehen, dass ich bleibe.

Am Montag war ich dann in Oruro und bin wieder zur Gruppe gestoßen, die am Wochenende La Paz besichtigt haben und am Sonntag eine bolivianische Taufe erleben durften.

Die nächsten 2 Tage habe ich mit den anderen im IAI verbracht, eine Schule der Jesuiten zur Erlernung von Industriellen (technischen) Berufen. Es ist eine super Einrichtung die den Jugendlichen eine gute Ausbildung ermöglicht. Intersol arbeitet schon länger durch den Complejo Solar (nähere Informationen zu Complejo Solar siehe: …) mit dem IAI zusammen und so kamen wir mit Baukits für Solarpanele und Lampen, Solarpumpen, und Brunnenbohrer angerückt. Die nächsten 2 Tage wurde aufgebaut, vorgezeigt, erklärt, herum probiert usw.

Walter und Sigi zeigen den Schülern wie man Solarpaneele baut, damit sie es in Zukunft selbst in Bolivien produzieren und vertreiben können. Die Paneele sind ausreichend für Lampen, Radios um Handys aufzuladen usw. Wie einigen ja bekannt, ist Elektrizität in Bolivien keine Selbstverständlichkeit. Am „Campo“, also am Land, gibt es viele Häuser und Dörfer die keinerlei Strom empfangen. Diese Solarlampen stellen eine wahre Innovation dar, und lösen die schwer gesundheits – und umweltschädlichen Kerosinlampen ab.

Josef hat in der Zwischenzeit hart an seinen Brunnenbohrteilen gearbeitet und tut es laut meinem Informationsstand immer noch. Leider gab es ein paar Probleme, die sich langsam auflösen. Aber damit muss man wohl immer rechnen.

Leider konnte ich den Fortschritt nicht mehr beobachten, da ich mich mittwochs zeitig in der Früh nach Potosí aufmachte, da hier einiges an Arbeit auf mich gewartet hat und noch immer tut. Die Guarderia Nuevas Luces ist nach langem Suchen in ein etwas größeres Haus umgezogen, wo es auch keine Schwierigkeiten mit den Nachbarn gibt. Endlich gibt es auch einen Raum für die Frauen, wo man die regelmäßigen Réunionen (Treffen) und Kurse (Handarbeiten etc.) abhalten kann. Im Büro von Musol wird auch plötzlich mehr Platz. Die Bibliothek konnte auch in die Guarderia transferiert werden und bald wird dort auch ein Pc stehen, auf dem die älteren Kinder ihre Hausübungen machen können. Außerdem wird das Musolbüro nach jahrelangem Warten mit der „Außenwelt“ und dem WWW vernetzt. Jaques unser Computerspezialist aus der Schweiz der einige super Dellpc’s zur Verfügung gestellt hat, wird sich nächste Woche dieser Sache annehmen.

Ich kümmere mich darum Dinge voranzutreiben, zu schauen, dass alles für die Ankunft der Reisegruppe vorbereitet ist, alles erledigt ist, damit sich Hans einen guten Überblick verschaffen kann und dort zu helfen, wo grad wieder Not am Mann ist.

Und nebenbei versuche ich meine Freunde zu treffen, werde von den Familien eingeladen, möchte Zeit mit den Kindern verbringen, mit den Frauen usw. Trotz allem, auch wenn alles recht stressig klingt, merke ich, wie ich auf eine ganz andere Art und Weise ankomme. Es ist schön hier zu sein.

Ich werde noch viele Fotos von der Arbeit am 2ten Blog http://musol.blogr.com hochladen. Schaut doch dort wieder vorbei!

In diesem Sinne meine Lieben, ein etwas ausführlicher Bericht, aber viel ist schon wieder in dieser kurzen Zeit passiert.

Un Abrazo fuerte!

Dina

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1 comment

1. NINA (anonymous), Oct 13, 2009 9:15:29 PM #

WENN ICH DAS LES KOMMEN MIR FAST DIE TRÄNEN--- KANN DAS ALLES SOO OAG GUT VERSTEHN WIES EINEM DA GEHEN MUSS!!!!

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