So nachdem mich das Internet in Bolivien fast in den Wahnsinn treibt, versuche ich eine neue Variante, mit Euch zu kommunizieren. Ich werde also in der nächsten Zeit, immer wieder Berichte online stellen, mit Fotoverweisen, die ich hoffentlich irgendwann einmal nachreichen kann. Im Moment ist es leider so, dass ich weder mein Notebook in einem Internetcafe in meiner Naehe anstecken kann, noch ist das Internet hier so schnell, dass ich irgendetwas hochladen kann. Man braucht dazu leider einen Urlaubstag, und Nerven aus Stahl. Und obwohl ich mich sehr schnell daran gewoehnt habe, dass hier alles langsamer ist, so kann ich meine europaeischen wurzeln doch nicht ganz verleugnen, denn punkto Internet bin ich mehr als verwoehnt. Wie gesagt, es funktioniert leider nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bitte Euch daher einfach um Geduld.
Zumindest sollte ich bald im Besitze eines Handys sein, Nummer findet ihr dann auch hier. Es kann jedoch passieren, dass ich eure SMS nicht bekommen kann. Zumindest geht es einer der Praktikanten so,... ich werde es dann einmal ausprobieren und dann berichten.
Ihr seht, hier ist es schon ein wenig anders. Aber auch wenn ich viel ueber das Internet schimpfe so gefaellt es mir bis jetzt sehr gut. Ich habe fuer die kurze Zeit schon viel unternommen und bin eigentlich dauernd unterwegs. Hier bekommt Zeit eine neue Dimension. Man braucht hier fuer alles ziemlich lange und es faellt einem gar nicht auf. Die Stunden vergehen wie im Fluge und ich frage mich die ganze Zeit wo sie hin ist, denn man hat das Gefuehl doch erst gerade angefangen zu haben.
Vielleicht kommt das auch mit der Hoehe - keine Ahnung. Cochabamba liegt auf 2550m, und es ist irgendwie eine komische Vorstellung, da man nicht das gefuehl hat so hoch zu sein. man ist Mitten in einer Stadt, die Sonne brennt runter, man ist mit kurzaermeligen T-Shirt unterwegs, die Palmen stehen herum, Pfirsiche wachsen, Kakteen tragen Fruechte und ueberhaupt blueht alles.
Bei uns auf 2500m ist sieht es ja wohl doch ganz anders aus. Die Hoehe vertrage ich ganz gut. gerade am ersten Tag hatte ich Kopfweh, und man ist doch recht schnell muede, aber ich glaube im vergleich zu den anderen Praktikanten habe ich mich doch recht schnell aklimatisiert (moechte jetzt nichts verschreien) - hat wohl das Hoehentraining (=Skifahren) doch gut getan ;-)
Cochabamba ist die drittgroesste Stadt Boliviens, mit einer halben Mill. Einwohner. Das erstaunliche ist, dass Bolivien so groß wie Spanien udn Frankreich zusammen ist und trotz allem nur 8,8 Mill. Einwohner hat. Das liegt wohl daran, dass in vielen teilen Boliviens menschenunfreundliche Bedingungen herrschen. Außerdem ist Bolivien, dass aermste Land Suedamerikas.
Derzeit lebe ich in einer - nach meiner Einschaetzung nach - in einer Mittelklassefamilie. Die gesamte Familie: Oma, Opa, Mama, Papa, Josef (ca.3J) und Adriana (8j), die Haushälterin, und zwei Hunde; leben in einem "Haus". besser gesagt, sind es eher Zimmer die alle durch einen Hof bzw. einen gang verbunden sind. jeder hat sein eigenes Zimmer, inkl. mir und dann gibt es noch eine Kueche und eine riesengrosses Wohnzimmer. Die Jungfamilie duerfte auch mehr Platz haben. Das habe ich noch nicht gesehen. Sie reden mich alle nieder, vorallem der kleine Josef - den ich leidre auch am allerschwersten verstehe. Adriana ist total happy wenn sie ihre englischen Vokabel bei mir anbringen kann und oma und opa bemuehen sich immer sehr, schoen Spanisch mit mir zu sprechen. Auch wenn ich oft geneckt werde, weil ich mit Haenden und Fuessen rede, so kommt es mir derzeit sehr zu Gute. Mit Besagten, Italienisch und ein paar schon gelernten Worten aus dem Spanischen schaffen wir es doch, uns ganz gut zu verstaendigen.
Das Essen ist teilweise recht eperimentell - wie gesagt Suppe mit Pommes - hat es Samstags bei drei Gastfamilien gegeben. Ich hatte auch schon Broccoli und Fisolen mit gebratenen Banenen (platanos) und Reis. Aber aus irgendeinem Grund schmeckt trotzdem alles. Es ist bestimmt ganz witzig, jetzt ein paar Wochen dieses Essen zu genießen, freu mich aber jetzt auch schon darauf, wenn ich mir selbst etwas zu essen machen werden kann. Auch wenn das noch eine Weile dauert.
Mein Zimmer ist fuer meine derzeitigen Beduerfnisse total ausreichend. Nur das Bett haengt eher wie eine Haengematte durch - aber auch das geht vorbei.
In der Sprachschule genieße ich derzeit 5 Einheiten Einzelunterricht jeden Tag. Habe auch schon 2 tage hinter mir. Es herrscht dort eine super nette Stimmung. Die Schule wird von einer gebuertigen Schweizerin, die schon 27 jahre in Bolivien lebt, und ihrem Mann (Bolivianer, der in der Schweiz studiert hat) gefuehrt. Sie sind sehr um unser Wohlbefinden bemueht, sind fuer uns Tag und Nacht erreichbar und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite. ich hatte auch schon ein kleines interessantes politisches Gespräch, dies werde ich aber wohl ein anderes mal ausfuehren.
Ich hoffe mein Spanisch wird schnell anwendbar, dann wird das Leben hier auch um einiges leichter. Wir haben wechselnde Lehrer um von unterschiedlichen Menschen, Stilen und Ansaetzen zu lernen, und untereinander herrscht auch ein reger Austausch. Das macht Spaß und im Moment bin ich noch mit vollem Elan dabei.
Am Wochenende machen wir einen Ausflug in den Regenwald, werden dort schwimmen gehen, und wandern und wer will kann auch fischen,... Freue mich schon sehr. Das wird bestimmt ein tolles Erlebnis.
Letztes Wochenende war ich bei der Christusstatue, welche angeblich 4 m groesser ist als jene in Brasilien.
Leider konnten wir nicht in die Statue, da wir zu spaet dort waren. Auf jeden Fall hat man von dort einen wunderbaren Ausblick auf Cochabamba und man erkennt erst wie riesengross diese Stadt ist. 

Am Sonntag waren wir dann bei einem Pfirsichfest (una feria del durazno) in einem Vorort von CB.
Das war ein super Erlebnis um sich auf die hiesige Kultur einzustimmen. Traditionelles Essen, chicha (eine Art Maisbier - welches mir gar nicht schmeckt) und traditionelle Musik und Taenze.
Wir wurden von einem netten, politisch engagierten Bolivianer durch das Fest gefuehrt und machten
mit einigen Bolivianern Bekanntschaft. Ich hoffe euch noch einige Eindruecke nachliefern zu koennen.
nach diesem Wochenende bin ich gleich einmal ziemlich geschafft ins Bett gekippt.
Die Ankunft am Flughafen in CB war ja auch noch ein Erlebnis der besonderen Art. In die Ankunftshalle sind wir zu Fuß ueber das Flugfeld gelangt,... das war schon einmal witzig,... dann hat der Flughafen einen Balkon der auf das Flugfeld schaut und auf diesem stehen hunderte Bolivianer und schreien und winken den Neuankoemmlingen zu. die sonst so ruhigen und gesetzten Bolivianer werden dann beim Gepaeckfoerderband ploetzlich ganz hektisch, verstellen alles und es war fuer mich fast unmoeglich, mein Gepaeck aus dem Menschenhaufen zu befreien. Als man nach "draußen" tritt, hat man gerade fuer sich und seine Tasche Platz, sich mit zwergenschritten durch die (zuerst noch am balkon stehende Masse) zu bewegen. Alle sind irrsinnig aufgeregt, nicht groesser als ich und man hat sofort das Gefuehl - jetzt ist man wirklich in Bolivien. Das war einfach so ein unglaublicher Moment und hat mir wieder gezeigt, wie selbstverstaendlich gewisse Dinge - wie z.b. fliegen - fuer uns ist. Und wie spannend, aufregend, ja sicher auch etwas beaengstigend es fuer andere sein kann und wie schoen es fuer die Menschen sein muss "nach Hause" zu kommen.
Alles in Allem muss ich jedoch im Moment sagen, lerne ich bestimmt sicher nicht die rauheste Seite von Bolivien kennen. Ich denke mit Potosi wird sich noch vieles schlagartig aendern. allein durch die Hoehe, andere klimatische Bedingungen, meine Arbeit und auch die viel schlimmeren Zustaende werden mich aus meiner derzeitigen entspannten Stimmung holen. Trotz allem glaube ich, ist es wichtig dieses Land von seinen unterschiedlichen Seiten kennen zu lernen und derer hat Bolivien viele.
Es ist sicher ein Land der Gegensaetze aber ich hoffe doch dass ich von all diesen profitieren kann. Ich denke man kann hier viel lernen, und man muss viel hoffen hier in diesem Land, denn es scheint so als wuerden sie einige ganz grosse Fehler begehen, die wir in Europa gerne ungeschehen machen wollen wuerden. Hoffnung, dass es die unterschiedlichen Bevoelkerungsgruppen schaffen in halbwegs guter Zusammenarbeit miteinander auszukommen und es nicht vielen anderen Laendern gleich machen und sich gegenseitig das Leben schwer machen und schlussendlich auch, dass es fuer viele Menschen moeglich wird ein besseres Leben zu leben.
Nun denn, ich bin schon sehr muede und werde daher nun, in meine Matratze sinken.
Alles Liebe Dina
So das ganze email habe ich vor 2 Tagen geschrieben, ich sitze wieder einmal im Internetcafe udn ich glaube zumindest eine halbwegs gute variante gefunden zu haben, um mit euch schriftlich zu kommunizieren.
In Potosi werde ich mich dann darum bemuehen internet ins haus zu bekommen.
Ich hab ejetzt auch ein bolivianisches handy: +59176964545, problem ich scheine keien sms aus oesterreich empfangen zu koennen. also sms bitte weiterhin aufs oesterr. und ich antworte vom bolivianischen. Anrufen sollte aber kein problem sein. wuerd mich freuen.
tja nun noch ein kuezer bericht: gestern war ich salsa tanzen, was witztig war und danach ein wenig in den maerkten von cochabamba einkaufen. in wahrheit bekommt man hier auch alles, man muss nur wissen wo,... das ist eigentlich die groesste herausforderung. es gibt hier sogar yoga! juchu! d.h. ich werd emir eine yogamatte besorgen, damit ich dann in potosi auch noch fuer mich yoga machen kann, da es dort sicher kein yoga geben wird, da dort viel aermere menschen wohnen.
Na ja haette euch noch viel zu erzaehlen, aber dazu ein anderes mal. Morgen heisst es einmal ab in den Regenwald, schwimmen im Fluss und indigenem Leben nachspueren.
Dickes bussi
Dina