Es ist wieder Zeit fuer einen Bericht.
Ich hoffe in Wien ist alles in Ordnung. Ich habe gelesen, dass ein wahnsinniger Sturm war. Ich hoffe, es geht allen gut.
Waehrend in Österreich ein Wahnsinnssturm über das Land fegte, machte ich mich auf den Weg in den Bolivianischen Regenwald
Mit einem Micro, das ist ein Bus, welcher normalerweise für den öffentlichen Transport verwendet wird. Dieser Bus scheint unglaublich viele PS zu besitzen und wir sind mit geschätzten heißen 20 km/h über die Kordilleren gedüst. Ich habe ja schon erwähnt, dass es hier alles ein wenig langsamer geht, auch das Reisen. (160km in ca. 5 Stunden)
Auf der anderen Seite war das nicht so schlecht da wir dadurch viel Zeit zum Staunen und genießen hatten. Wir sind eben über die Kordilleren auf die andere Seite gefahren, haben zwei Pässe passiert (höchster Pass ist über 4000m) und sind dann durch den Nebelwald auf 200m hinunter nach Chapare.

Chapare heißt die Gegend um Villa Tunari eine kleine Stadt mitten im Regenwald. Die Fahrt ist echt unbeschreiblich schön. Wir sind vorbei an einem riesigen Stausee mit grauen Bäumen, und hellem Schilf, durch den Nebelwald. Ich hoffe ich erzähl euch jetzt keinen Blödsinn, aber wenn ich alles richtig verstanden habe, dann Nebelwald, weil dort fast immer der Nebel drinnen hängt. Die Bäume saugen sich mit Feuchtigkeit voll, bieten Nährboden für andere Pflanzen, sind überzogen von Moos, Lianen etc. und vermodern langsam darunter. Das ganze sieht einfach unglaublich aus, ich hoffe dass ich in mit den Fotos zumindest eine Idee vermitteln kann. (Die Fotos sind leider noch unbearbeitet, weil ich mich noch nicht mit Photoshop auseinander setzten konnte. Muss zuerst Spanisch lernen ;-)) Als wir dann schon im Regenwald waren, war es für mich erstaunlich die ärgsten, schiefsten und kaum vorhanden Pfahlhütten und normale Hütten zu sehen und daneben eine Satellitenschuessel oder ein Internetcafe a la Regenwald. Natürlich und leider muss ich sagen, gibt es in Bolivien keine ordentliche Abfallpolitik. So liegen dann entlang der Strasse Dosen, Plastiksackerl etc. Das schmerzt und am liebsten wäre ich stehen geblieben und hätte den Mist einsammeln wollen. Umweltbewußtsein ist in den Köpfen der Menschen hier noch so gar nicht verankert, was eigentlich mehr als schade ist, da sie viel haben, was schützenswert ist. Zumindest existieren in Bolivien viele Nationalparks.
Unweit der Villa Tunari besitzen die Leiter Sprachschule ein riesengrosses Haus. Mit großer überdachter Dachterasse, wo man hervorragend bis spät in die Nacht sitzen kann und wo Hängematten hängen, in denen einige Nacht verbrachten.
Das ganze Wochenende bekamen wir unglaubliche Dinge zu essen. 6 verschiedene Sorten von Erdäpfeln, Wurzeln von Palmen, frisches köstliches Obst (alles was das Herz so begehrt) typische bolivianische Speisen bis wir zu platzen drohten. Die meisten Sachen wuchsen sowieso rund ums Haus. Tee und Salat aus Blühten, Lemongrasstee, Saft aus den Ananasschalen usw. unglaublich. Es war alles so lecker.
Am Samstag sind wir dann in den Nationalpark gefahren. Das war so wie die ganze Fahrt einfach unbeschreiblich schön. Am liebsten hätte ich meinen Finger gar nicht mehr vom Auslöser genommen, nur hätte ich dann wohl nichts mehr mitbekommen ;-)

Leider haben wir so gut wie keine Tiere gesehen. Trotz der Schönheit muss man doch sehr aufpassen, auf einigen Bäumen krabbeln ziemlich giftige Ameisen die einen schon mal ziemlich lange außer Gefecht setzten können bzw. teilweise kann man sogar daran sterben, einige Pflanzen sind giftig oder haben große Stacheln und Schlangen gibt es natürlich auch einige (grüne Mamba, Boas usw.)
Trotzdem war es ein super Erlebnis und ich bin aus dem Staunen und Geniessen gar nicht mehr rausgekommen.
Da sieht man die wunderbarsten Dinge. Baeume die eigentlich mehr aus Lianen bestehen als aus Baum selber, Bäume die Stacheln haben, damit die Tiere nicht hinaufklettern und ihre Fruechte essen, Termitenbauten, Ameisenstrassen, wo Ameisen wirklich grosse Blaetter tragen, Fledermaeuse und vieles vieles mehr.
Nach nur 3 Stunden Wanderung (haette noch ewig weiter gehen koennen) sind wir dann zurück und haben gleich neben einem Fluss gepicknickt. Das war sehr nett, bis wir uns die Hosenbeine hoch krempelten und alle von 2mm großen Mücken befallen wurden. Die Stiche verursacht haben, das kann man sich gar nicht vorstellen. (Franzi konnte sich danach 2 Tag e keine Schuhe anziehen, weil sie so zerstochen war!) Ein paar Mutige von uns sind dann doch schwimmen gegangen, bei gehöriger Strömung und es hieß fuer uns ordentlich aufpassen dass es uns nicht über die nächste Kante schmeißt. Dann ging es wieder zurück zu unserem Haus. Dort haben wir dann den restlichen Nachmittag in den Haengematten verbracht und haben uns die Bäuche mit frischem Obst und gutem Essen vollgeschlagen.
Am nächsten Tag wollten wir eine Wanderung unweit vom Haus machen, nachdem wir am Vortag Geschichten von einem Jaguar gehört haben, der unweit des Hauses schön öfters gesehen wurde. Leider haben wir ihn nicht gesehen ;-) Wir waren noch nicht weit gekommen, als es so richtig zum Schütten begann. Es dauerte nicht lange und wir waren bis auf die Unterhose nass. Aber es war eigentlich ganz witzig. Über Brücken bestehend aus zwei schmalen Bambusbaumstämmen, ein ebenso duenner Ast zum anhalten, so ging es einige Zeitlang durch den Wald. (Leider habe ich von den Brücken keine Fotos, da es da zu sehr geschüttet hat.) Irgendwann kamen wir dann jedoch zu einer Flusspassage wo es die Brücke weggespült hatte. Also hieß es mit der Machete einen Bambus zu fällen. Das war aber gar nicht so einfach, da alle miteinander verheddert waren und so sind wir zu 6 oder so auf dem Bambus oben gehängt bis wir einen Fällen konnten. Ein lustiges Schauspiel, und ich bin fast nieder gebrochen vor Lachen. Leider hat uns das ziemlich viel Zeit gekostet und wir konnten dann nicht so lange wandern wie es geplant war. Tja und nach einem köstlichen Mittagessen hieß es auch schon wieder ab nach Cochabamba.
Wir mußten dem kleinen Paradies auf wieder sehen sagen und zurück über die Kordilleren nach Hause fahren.
Zurück in Cochabamba ist alles eigentlich noch immer sehr entspannt. Ich habe mich gut daran gewöhnt, dass es hier einfach anders ist als bei uns. Bitte seid mir nicht bös, wenn ich nicht gleich auf jede Mail antworte, aber ich verbringe Stunden im Internet ohne auch nur ansatzweise alles erledigt zu haben, was ich wollte.
Was euch aber nicht davon abhalten soll mir trotzdem regelmäßig zu schreiben ;-) freu mich wahnsinnig auf dem Laufenden gehalten zu werden.
Hier vergehen die Tage wie im Flug. Ich stehe relativ zeitig auf, Frühstücke mal mit mehr Personen meiner Familie, mal mit weniger, gehe in die Schule, was ich auf eine gewisse Art und Weise total genieße. Es fühlt sich ein bisschen an wie früher. Man freut sich auf die Pause um mit den anderen zu tratschen und dann auch aufs gemeinsam nach Hause gehen und noch irgendwo herumstehen und tratschen. Der Unterricht macht eigentlich die meiste zeit total viel Spass. Manchmal bin ich zwar ein bissl ungeduldig mit mir weil ich halt ein Hirn wie ein Nudelsieb hab, aber es ist doch die meiste Zeit sehr interessant.

Auch mit meiner Familie kann ich mich schon unterhalten und nicht nur noch verlegen grinsen und mit Händen und italiensch klar machen was ich sagen möchte. Wir wohnen ja in einem recht ruhigen Viertel, welches von ehemaligen Minenarbeitern und einer Art Cooperative gegründet worden ist. Das ist total nett, weil uns mittlerweile schon ganz viele Leute kennen, sich mit uns unterhalten und die Jugend mit uns Fußball spielt. Ich und Fußball stellt euch das vor! à ist aber total witzig, und die Jungs sind Wahnsinn!!! Vielelicht sollten wir für die EM ein paar einbürgern ;-) Ups - sorry an alle Fußballfans.

Noch kurz zu meiner Wohnsituation, seid froh ueber ure Duschen. Wir habenhier nur Durchlauferhitzer --> das heisst, ich kann die Wassertemp. nicht regeln und der Wasserdruck laesst auch zu wuenschen uebrig. Meine Waesche wasche ich wie meine Uroma in einem Waschbecken mit Waschrumpel udn fuehle mich ganz bei meinen Wurzeln ;-) Das schoene ist jedoch, dass es hier nichts ausmacht, weil man hier fuer solche Dinge Zeit hat. Und wenn die Waesche dann durch den fast taeglichen Regen doch nass wird, dann wird sie halt morgen trocken auch ok. Irgendwie witzig zu was fuer Dingen man ploetzlich durch diese Langsamkeit hier Zeit hat.
Tja wir waren auch schon zweimal bei einem Salsalehrer und hatten Kleingruppenunterricht. Das war total nett, weil ich geglaubt hab alles vergessen zu haben. Jetzt ging aber doch ein wenig was und es hat wirklich spaß gemacht.
Am Freitag werde ich auch meine erste Yogastunde nehmen. Ich freu mich so drauf ich kann euch das gar nicht sagen. Ich glaube mein Körper hat sich super an hier gewöhnt und jetzt möchte ich wieder mit Sport anfangen. Juchu. So mittlerweile ist meine Yogastunde vobei. Sie war ganz ok, kann nur leider nicht das was sie Wien koennen. Aber ich habe eine YOGAMATTE juchu!
Für alle die es interessiert. Politisch tut sich in Bolivien wahnsinnig viel. Schön langsam beginnen wir ein wenig Durchblick zu bekommen. Es ist leider sehr schade, dass es ein paar Tendenzen gibt die nicht so erfreuchlich sind. Als die „Reichen“ Oligarchen noch an der Macht waren, war es zumindest so, dass das ganze Land und das ganze Volk zusammengehalten hat. Mittlerweile sieht es jedoch so aus, dass sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Geschichten immer mehr gegeneinander wenden, was natürlich sehr traurig und gleichzeitig gefährlich ist. Außerdem herrscht teilweise noch eine gewisse Selbstjustiz der kleinen Bezirke, welche zum Beipspiel letzte Woche zu der Ermordung von 3 Polizisten geführt hat. Das ganze scheint die Menschen hier sehr zu beschäftigen, eines der ersten Dinge die mir bis jetzt die Bolivianer erzählt haben ist, dass sie viele Probleme haben hier in Bolivien. Die Preise ziehen stark an, Milch ist ein Luxusprodukt und die Unzufriedenheit steigt natürlich auch. Ich glaube ich brauch euch nicht erklären was das mit sich bringt.
Ich glaube natürlich dass es schwierig ist ein land so vieler Gegensätze zu regieren. Was ich aber gehört habe, ist Evo Morales zwar ein indigener Präsident aber das macht ihn lange noch nicht zu einem besseren Präsidenten. Es ist sehr kompliziert und wir beginnen erst langsam zu verstehen. Ich glaube aber das es für die Bolivianer sehr schwierig ist. Sie lieben ihr Land, glauben daran und sehen im Moment einfach keine Lösung. Sehr schwierig.
Na ja ich sehe der Bericht ist doch sehr lang geworden. Ich werde wohl jetzt Abendessen gehen.
Seid umarmt
Dina